Kapitalturbo Ein Blog über das Investieren in einer GmbH

Handeln von Volatilität

Aktuell ist viel über das Handeln von Volatilität zu hören. In diesem Blogeintrag wird eine Trading Strategie mit VIX-Futures vorgestellt. Bei dieser Strategie handelt es sich um einen sogenannten Spread. Dieser zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er aus zwei Positionen besteht. Das Ziel dabei ist nicht, dass beide Profit bringen, viel eher sollen die Gewinne der einen Position mit die Verluste der anderen ausgleichen und übersteigen, damit danach noch etwas Geld übrig bleibt, was dann der Profit ist. Dies funktioniert für „nicht-GmbH Trader“ jedoch Semi-Optimal, da man als Privatperson lediglich 20.000€ bei Terminkontrakten in den Verlusttopf zum Verrechnen haben kann. Sobald diese 20.000 € voll sind, dürfen die Gewinne nicht mehr mit den Verlusten verrechnen und die Gewinne müssen voll versteuert werden, selbst wenn in der Summe der Trade negativ bzw. mit Verlusten ist.

Die Strategie ist eine VIX-Strategie, es wird also mit dem Volatilitätsindex gehandelt, genauer auf die VIX-Futures. Die Idee oder Theorie an der ganzen Sache ist, dass in unruhigen Situationen die nahe Zukunft unvorhersehbarer ist als die ferne Zukunft. Normalerweise sind die Future-Kontrakte des VIX in Contango, das heißt also die hinteren Monate, die zeitlich weiter weg sind, sind teurer als diejenigen Monate, die näher am aktuellen Datum sind. Die Terminstrukturkurve kann zum Beispiel auf vixcentral eingesehen werden. Im Bild ist für den 01.02.2022 zu sehen, dass die Terminstrukturkurve in Contango ist: _config.yml

In dieser „normalen“ Marktumgebung ist der Spread, also die Differenz zwischen den Werten des ersten und zweiten Monats ungefähr bei 1. Nun zur Idee dieser Strategie: Sobald etwas unvorhergesehenes passiert, wie zum Beispiel der aktuelle Krieg, dann verändert sich diese normale Marktumgebung und dementsprechend passiert auch etwas mit dem Volatilitätsindex. Seine Futures, welche normalerweise in Contango sind, ändern dies plötzlich. Sie sind jetzt in der sogenannten „Backwardation“. Backwardation bedeutet, dass die „nahen“ Monate teurer werden als die „fernen“ Monate. Im Bild ist die Backwardation am 23.02.2022 zu sehen: _config.yml

Der Spread zwischen dem ersten und dem zweiten Monat beträgt jetzt ca. -1, statt wie vorher 1. In dieser Situation wird indessen folgendes getan: Es wird ein Spread zwischen den beiden Monaten als Credit-Trade eröffnet. Weil der vordere Monat teurer ist als der hintere Monat, erhält man den Spread als Gutschrift. Bei VIX Futures mit Multiplikator 1000, also ca. 1.000,00$, alternativ kann VXM benutzt werden, dort ist der Multiplikator 100. Nun heißt es abwarten, dass sich die Marktlage normalisiert und die Terminstrukturkurve der Future-Kontrakte wieder in den Normalzustand, den Contango, zurückkehrt. Wenn dies geschehen ist, also wenn die Differenz zwischen den Monaten wieder ungefähr 1 beträgt, dann kann der Trade aufgelöst werden und bekommt dafür erneut Credit in Höhe von ca. 1.000,00$.

Das Gute dieser Strategie ist: es ist egal, ob die Volatilität stark ansteigt oder nicht. Würde sie, aufgrund von weiteren, unvorhersehbaren Ereignissen explosionsartig weiter steigen, könnte man weiterhin ganz entspannt bleiben. Es ist nämlich absehbar, dass wenn der Preis des vorderen Monats steigt, der des hinteren Monats einfach mitsteigt und die Differenz zwischen den beiden ähnlich bleibt. Bei einem bloßen „naked short“ eines VIX-Assets wie zu Beispiel dem VXX ist dies anders. Nehmen wir mal an, wir eröffnen einen Spread und einen Short auf VIX-Futures beziehungsweise den VXX. Bei der Eröffnung lag der VIX bei 30, inzwischen ist er hochgeschossen auf 45. Der Short hätte in der Situation einen Buchverlust von 15.000$! Der Spread hingegen, welcher aus zwei Positionen besteht, hat damit kein Problem. Sollte der erste Monat auf 45 gehen, dann ist klar, dass der zweite Monat nachziehen wird. Der Spread wird wahrscheinlich größer, beispielweise ist annehmbar, dass der zweite Monat auf 40 geht. Der Spread hat dadurch „nur“ einen Verlust von 5.000,00$. Der Future auf den zweiten Monat ist also der Hedge, die Versicherung davor, falls der VIX weiter steigt. Wichtig ist nur, dass vor dem Ablauftdatum des ersten Futures der Spread kleiner ist als bei der Eröffnung des Trades, ansonsten muss gerollt werden.

Zudem ist der Trade ziemlich flexibel. Eine Möglichkeit, wie der Trade umgewandelt oder modifiziert werden kann, ist, Gewinne mitzunehmen. Angenommen, der hintere Future steigt um 10, dann hat die Position einen Gewinn von 10.000,00$. Das Problem dabei ist, dass man dann naked short auf den ersten VIX-Future ist. Wenn dieser weiter fällt, ist es natürlich gar kein Problem, schließlich machen wir dann doppelt Gewinn. Allerdings existiert dabei selbstverständlich das Risiko, dass der VIX steigt und man keinen Hedge mehr dagegen hat.

Ein kleines, abstraktes Beispiel: Der Front Month hat einen Wert von 30, der Back-Month einen von 28. Man macht einen Spread auf (short Front Month und long Back Month), und erhält dadurch Credit von 2.000,00$. Nun steigt der Front Month auf 38 und der Back Month auf 34. Es gibt jetzt drei Möglichkeiten, wie weiter verfahren werden kann:

a) Back Month mit 6.000,00$ Gewinn schließen. Jetzt wird gewartet, bis der Front Month auf 29 fällt und dieser geschlossen wird, dann erhält man aus der Position nochmal 1.000,00$. Insgesamt hat keine der Positionen einen Verlust zu verzeichnen und der gesamte Trade wird mit +7.000,00$ geschlossen. Hier besteht aber ein Risiko, nämlich, dass der Front Month nicht auf 29 zurückfällt und diese Position möglicherweise mit Verlust geschlossen wird. Der vorhergegangene Hedge wurde bereits geschlossen, der kann nicht mehr helfen. Allerdings ändert sich auch durch den bereits realisierten Gewinn die Break-even-Schwelle für den Front Month, dies sollte immer beachtet werden.

b) Es wird alles so gelassen wie es ist und man hält sich an die ursprüngliche Trade-Idee. Wenn der Front Month dann später wieder bei 29 steht und der Back Month bei 30, hat der Spread die Ziel-Differenz von 1 erreicht. Nun wird die Front- und die Back-Position gleichzeitig geschlossen, der Profit liegt dann bei 1.000,00$.

c) Im Prinzip wie b) nur, dass nicht gewartet wird, bis der Spread wieder +1 erreicht, sondern einen anderen Wert davor.

Jetzt ein Beispiel für einen Trade, der tatsächlich unter realen Marktbedingungen durchgeführt wurde:

Am 09.03.2022 wurde ein Spread zwischen den April und Mai VIX-Futures aufgemacht, dabei stand der April Future bei 31,25 und der Mai bei 30,25. Daraus erhielt ich 1.000,00$ an Credit. 9 Tage später, am 18.03.2022, wurde die Position wieder geschlossen bei einem Stand von 27,37 für den April-Future und 27,67 für den Mai-Future. Dafür wurden erneut Credit gutgeschrieben und zwar 300,00$. Abzüglich der Gebühren blieben 1.290,00$ als Gewinn. Die Mai-Position wurde mit ca. 3.100,00 $ Verlust geschlossen, während die April-Position ein Plus von 4400 $ zu verzeichnen hatte. Deshalb ist die ganz am Anfang angesprochene Verlustverrechnung wichtig. Je nach Future (VIX oder VXM) füllt sich der Verlusttopf schneller oder langsamer.

Neuigkeiten

In letzter Zeit gab es keine Updates, weil in der GmbH einfach kaum was passiert ist. Der Aktienteil ist zu 95% auf Buy and Hold ausgelegt, d.h. der fährt mit den aktuellen Kursen etws Achterbahn. Im Optionshandel waren ein paar Gewinner und ein paar Verlierer, darunter auch ein Steuerverlierer. Bei letzterem wurde ich frühzeitig assigned und habe damit einen Verlust in der Aktienposition gemacht, dem die gewonnene Optionsprämie gegenüber steht. Die GmbH kann Aktienverluste nicht anrechnen, daher ist steuerlich nur die eingenommene Prämie relevant und somit der Trade ein Steuerverlierer. Ansonsten sind alle Unterlagen für die Bilanz abgegeben und ich warte auf die Erstellung dieser.

Ride Weihnachtsaktion

Von Ride kam heute per E-Mail die Info, dass es eine Weihnachtsaktion für GmbH-Bestellungen gibt. Im Rahmen der Aktion gibt es bei Bestellung zwischen dem 01.12.2021 und 31.12.2021 einen Rabatt von 250 EUR (statt 50 EUR), wenn über einen Ref-Code bestellt wird. Die Gründung der GmbH erfolgt dann im Januar und die Rechnung für die Gründung nachdem die GmbH im Handelsregister eingetragen ist, also voraussichtlich Februar/März. Meinen Rabatt-Code findet ihr hier.

Verzockt

In 6 Monaten 22.000 Euro mit Optionen verzockt! Der ganze Einsatz ist weg und der Trader ist pleite. Die Einleitung passt du Artikeln, die den aktuellen Trading-Boom behandeln, wie hier hier zum Beispiel. Mir hat aber das deutsche Steuerrecht das Genick gebrochen, ich habe mehr als 20.000 Euro an Verlusten mit Optionen angehäuft und kann alle Verluste oberhalb der 20.000 Euro nicht mehr absetzen. Da ich viel mit Spreads gearbeitet habe ging das ziemlich schnell, vor allem bei den Summen die mit Optionen auf Commodity Futures bewegt werden.

Aber wie wir alle wissen, wird innerhalb der GmbH getradet und somit stimmt der Anreißer natürlich nicht. Die 22.000 Euro an Optionsverlusten habe ich zwar diese Woche erreicht, vor allem durch das Handeln von Spreads. Insgesamt bin ich aber in der Gewinnzone, als Privatperson sähe das jetzt langsam anders aus. Daher unterschätzt bitte nicht den Vorteil der unbegrenzten Verlustabschreibung für Optionsgeschäfte innerhalb der GmbH.

Die erste BWA

Nachdem nun einige Zeit vergangen ist, habe ich die erste BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) zur GmbH erhalten. Hier zeigt sich schon die Stärke des Admin-Service von Ride, durch das automatische Auslesen der Depotbewegungen über die API muss man selber nichts weiter erledigen als seine anfallenden Rechnungen und Kontoauszüge im Ride-Backend hochladen. Der Rest wird vom zugeteilten Steuerberater übernommen und die BWA dann auch über das Ride-Backend bereit gestellt.

Besonders freut mich, dass ich laut der BWA (Stand Ende September) im Abschnitt “Vorläufiges Ergebnis” schon eine positive Zahl stehen habe. Das bedeutet nämlich, dass die GmbH nach Abzug aller Kosten bereits jetzt Gewinn erwirtschaftet. Spannend wird es dann zum Jahresende mit der Jahresbilanz, noch könnte natürlich auch noch etwas schief gehen und sich der Gewinn wieder in Luft auflösen.