Kapitalturbo Ein Blog über das Investieren in einer GmbH

Turbulente Zeiten

Die Zeiten bleiben turbulent und das aktuell in mehrfacher Hinsicht. Zunächst mal haben wir wieder einige rote Wochen mit Kurskorrekturen hinter uns. Dies hat dazu geführt, dass ich die Hedges aus dem August alle schon geschlossen haben. Ich hatte das Depot der vvGmbH zu einem gewissen Prozentsatz über Bear Put Spreads abgesichert. Die Short Legs davon lagen alle im Bereich von 3700 Punkten, also waren zwischenzeitlich alle Hedges im maximal möglichen Gewinn, daher habe ich den Gewinn mitgenommen und die Hedges geschlossen. Durch die aktuelle hohe Volatilität sind neue Hedges nun relativ teuer, deswegen habe ich mich entschieden die Gewinne aus den Hedges für neue Short Vola Trades zu nutzen. Im Lauf der letzen Woche ist die VIX-Terminkurve wieder in Backwardation gedreht, die Gelegenheit habe ich genutzt, um wieder Trades mit VIX Spreads zu eröffnen. Die erste Runde davon konnte ich diese Woche mit Gewinn schließen.

Heute kam dann auch noch eine Pressemitteilung der Bafin Das bereits angedrohte Verbot für den Handel mit Futures für Privatanleger kommt zum 01.01.2023. Nach meinem Verständnis ist eine GmbH nicht automatisch davon befreit. Im WpHG ist eine Einstufung als professioneller Anleger über die Kriterien in Ziffer 6 möglich, welche sich mit den Anforderunen aus MiFID II decken. Somit muss die GmbH auch diesen Professional-Status haben, um weiter mit Futures handeln zu können.

Wie hedgen?

In diesem Jahr ist das Thema Absicherung gegen Kursstürze wahrscheinlich bei vielen Leuten auf der Agenda aufgetaucht. Um sich gegen Wertverluste abzusichern benötigt man eine sogenannte “Hedge”, damit ist ein Element im Depot gemeint welches Kursstürze auffängt. Diese Funktion muss also keinen Gewinn machen, im Gegenteil man ist froh, wenn diese Position nie grün wird, sondern wertlos bleibt. Für die Absicherung gibt man also etwas Rendite auf.

Grob gesagt kann man über 3 Instrumente hedgen: Aktien, Futures oder Optionen. Diese können entweder gekauft oder verkauft werden, um die Hedge zu bauen. Was davon gemacht wird, muss man im Einzefall entscheiden. Wenn man seine Aktien absichern will, kann man beispielsweise Aktien mit einem vergleichbaren Beta zum Vergleichsindex raussuchen und dann eine passende Menge der Vergleichsaktien verkaufen. Fallen nun die eigentlichen Aktien, dann fallen auch die leerverkauften Aktien. Dadurch, dass diese initial verkauft wurden, erhöht dies aber den Wert, da diese nun günstiger zurück gekauft werden können. Hierbei fällt auch das Problem auf: Fällt der Markt nicht und die Aktien steigen im Wert, dann müssen diese teurer zurück gekauft werden, die Position macht also Minus. Und ohne weitere Elemente kann die Hedge stark ins Minus laufen. Futures bieten prinzipiell die gleiche Möglichkeiten wie Aktien.

Die bekannteste Variante mit Optionen dürfte sein passende Puts zu kaufen, also beispielsweise für jede Aktienposition im Depot passende Puts zu kaufen. Fallen die Aktien im Wert, steigen die Puts im Wert (vereinfacht gesagt, natürlich müssen noch weitere Faktoren beachtet werden). Die Puts zu kaufen kostet natürlich Geld, der Preis richtet sich nach Faktoren wie Strike, Ablaufdatum usw.. Um die Kosten für die Hedge zu senken, kann man nun auch Puts verkaufen und statt eines einfachen Puts also einen Spread zu eröffnen, in diesem Fall ein Bear Put Spread. Diese Kombination hat zwei Vorteile: Zum Einen ist es ein Debit-Trade, das heißt man bezahlt Geld, um die Position zu eröffnen. Somit ist der maximale Verlust (im Gegensatz zum Shorten von Aktien) auf den initialen Preis des Bear Put Spread beschränkt. Zum Anderen ist Kombination günstiger als einfach Puts zu kaufen, da durch das gleichzeitige Verkaufen von Puts Geld eingenommen und somit der Kaufpreis gesenkt wird. Dies wird selbstverständlich mit einem begrenzten Gewinn erkauft, welcher durch die Differenz der beiden Strike-Preise definiert ist.

Diese Variante habe ich für das GmbH-Depot gewählt. In der GmbH hat das Hedgen über das Kaufen von Optionen den weiteren Vorteil, dass die Verluste voll abzugsfähig sind. Das bedeutet wenn im GmbH-Depot ein Bear Put Spread gekauft wird und die Hedge wertlos verfällt, kann der initiale Kaufpreis einfach von vorherigen Gewinnen abgezogen werden. Ideal wäre es also durch vorherige Optionsgewinne das Kapital für den Kauf der Options-Hedge zu erwirtschaften.

Die Community

Bei Ride hat sich seit 2021 auch einiges getan. Mittlerweile gibt es eine richtige Community von Ride-Kunden. Dies wurde von Ride gefördert, indem durch Ride ein Discord-Server für Ride-Kunden gegründet wurde. Außerdem gab es in 2022 bereits Offline Community Events in verschiedenen Städten Deutschlands, ebenfalls organisiert durch Ride. Auf diesen Events konnte man andere Kunden, Interessenten, Steuerberater und Mitarbeiter von Ride kennen Lernen und zwanglos über alle möglichen Themen reden. Ich habe mich dort beispielsweise zu verschiedenen Optionsstrategien ausgetauscht. Für den Herbst 2022 hat Ride ebenfalls schon wieder ein sehr interessantes Event angekündigt.

Auch im Discord wird die Community aktiv betreut, dort gibt es beispielweise AMAs (ask me anything) mit Steuerberaten, zu denen dann Fragen eingereicht werden können. Ingesamt hat die Betreuung durch Ride mit der Förderung der Community nochmal einen Schritt weiter gemacht und ich bin sehr gespannt was noch in Zukunft von Ride noch für Bestandskunde kommt.

Der Eintrag im Bundesanzeiger

In der Diskussion um die vvGmbH wird häufig das Argument vorgebracht, dass die GmbH ihre Bilanz veröffentlichen muss und somit jeder Einblick in die Vermögensverhältnisse erhält. Für die vvGmbH wurde die Bilanz nun erstellt und im Bundesanzeiger (genauer im Unternehmensregister) veröffentlicht. Durch die Regelung für verschiedene Größenklassen fällt die vvGmbH bei den meisten wahrscheinlich unter den § 267 (1) HGB, damit ist nur eine kurze Bilanz zu veröffentlichen (siehe § 264 HGB).

Schaut man im Unternehmensregister findet man für größere Firmen die hinterlegten Jahresabschlüsse öffentlich und kostenlos einsehbar (kann man z.B. mit seinem Arbeitgeber als Beispiel prüfen). Für die vvGmbH zeigt einem das Unternehmensregister hingegen nur an, dass Bilanzen hinterlegt sind. Möchten diese eingesehen werden, muss erst ein Benutzerkonto angelegt werden und dann können diese Dokumente für eine geringe Gebühr (etwa 1 EUR) eingesehen werden. Die Bilanz sieht dann wie folgt aus:

_config.yml

Das Fazit also: Wenn die vvGmbH als Kleinkapitalgesellschaft läuft, dann kann die Bilanz eingesehen werden. Jedoch ist diese nicht öffentlich und kostenlos.

Halbzeit

Die erste turbulente Hälfte des Jahres ist um, also wieder eine gute Gelegenheit für einen Zwischenstand. Wie wahrscheinlich jeder mitbekommen hat, gab es eine ordentliche Marktkorrektur. In der Zeit habe ich hauptsächlich Volatility Trades und Trades mit Commodity Futures gemacht. Einige liefen gut, einige liefen schlecht, aber der Großteil lief gut und die vvGmbH hat durchschnittlich pro Monat 2.000$ mit Optionen und Futures verdient. Bei den Aktienpositionen ist weiterhin der Löwenanteil Buy and Hold, dort wurden lediglich bei manchen Positionen Gewinne mitgenommen und dafür andere Positionen nachgekauft.

Insgesamt liegt das Depot YTD bei ca. -3%. Verglichen mit den -20% im SPY oder -10% im All World steht das Depot also relativ gut da. Zu beachten ist natürlich, dass auf die Gewinne durch Futures und Optionen noch 30% Steuern fällig werden und somit die -3% sich auch nochmal ändern werden.

Aber wer weiß was der Rest des Jahres noch bringt und wie sich die Performance noch entwickelt.